Geblendet von "Verblendung"

Grade im Kino gewesen und "Verblendung" von David Fincher geguckt. Der Glücksfall war, daß ich zwar den zweiten und dritten Teil der Trilogie im schwedischen Original kannte, aber nicht den ersten.

Fand den Film erfreulich europäisch (bis auf so idiotische Übersetzungspannen, daß eine Schwedin ihren Vater breit "Dad" nennt. In der deutschen Synchronisation, wohlgemerkt). Die verschiedentlich beklagte überzogene Fincher-Ästhetisierung konnte ich nicht entdecken. Der Respekt vor dem Original auch in der Optik steht dem Meisterregisseur gut zu Gesicht. An den Originalfilmen störte mich nicht unerheblich ihre doch sehr fernsehfilm-mäßige Optik, die die Dynamik genauso ausbremste, wie der doch sehr biedere Mikael Blomquist.

Da ist ein Bond-Darsteller, auch wenn Daniel Craig erfreulich zurückgenommen agiert, doch schon eine andere Hausnummer. Er bildet einen Gegenpol zur Rooney Mara, während im Original Noomi Rapace alles dominiert, etwas zu sehr vielleicht.

Also ich fand den Film fantastisch. Die - wenn auch meist nur angedeutete - Gewalt kam umso schockierender, als das Setting sich ansonsten sehr realistisch und ruhig anfühlte.

Vielleicht ein, zwei Sachen wären zu meckern. Warum können Hacker wie Lisbeth Salander oder Chloe O'Brien sich innerhalb von Minuten in jedes Bank-Konto hacken? Warum muß eine Frau mit derartigen Fähigkeiten, wie sie sie am Ende fast bond-mäßig zur Schau stellt, von einem zugewiesenen Mündel zunächst so demütigen lassen für ein paar lausige Kronen?

So sehr Rachefeldzüge Spaß machen - das wäre dezenter wirkungsvoller gewesen und hätte die Faszination des gebrochenen Charakters der Hauptdarstellerin besser gezeichnet.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wenn ihr das schwedische Orgininal nicht gesehen habt (die Meckerer haben das alle) - geht hin.

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